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Montag, 27. Januar 2014

Honigsuesser Sonntag am Schweinemontag

Hallo Welt! Ich muss mich auskotzen. Diese Woche hat zuckertechnisch einfach nichts hingehauen. Aber lest selbst:

Berg- und Talfahrt: 41 mg/dl (nach nervösem, angsterfülltem, aufgeregtem Besuch beim Augenarzt...die russische Augenärztin entließ mich jedoch mit einem "Seijn Sie unbesooorgt, kjein Zjucker an die Augen!" Juchu!) bis 445 mg/dl (gefühlt ist das der höchste Wert, den ich jemals hatte...war die Gegenregulation nach einem nächtlichen Hypofressflash...Son Mist aber auch!)

Mittelwert: 154 mg/dl...sagt ja schon alles. Gut ist anders.

Standardabweichung: 79 mg/dl. Ja.

Was war das beste Essen diese Woche? Definitiv das Gulasch von Mama. Oder der Zander im Speckmantel...auch von Mama. Oder doch die honigsenfigen Wraps von Herrn Honigsuess? Irgendwie war diese Woche alles ziemlich gut.

Was war sonst so?
Die Hausarbeit? Muss warten! Lernen? Muss ich auch noch. Bei den liebsten Eltern gewesen, Bruder in der schönen neuen WG besucht (sie werden so schnell groß!!), gejoggt. Über die BZ-Schwankungen geärgert, noch mehr geschwankt. Beim Augenarzt gewesen, über das Ergebnis gefreut. Festgestellt, dass es nur noch gute 2 Wochen sind. Ich glaube, ich muss einfach wieder weniger Süßigkeiten im Haus haben. Gemerkt, wie lange es dauert, bis man nach einer Monsterhypo mit Monsterfressflash und Mostergegenregulation wieder einigermaßen im Lot ist (diesmal 3 Tage!). Den T1-Day verpasst...Mist! Vorgenommen: Nächste Woche wird alles besser!

Mittwoch, 15. Januar 2014

Die unsichtbaren Leiden des Neuzeitdiabetikers - heute: Basalratentest

Diabetes ist anstrengend. Nicht, weil ich mir mehrmals täglich in den Finger pieksen, Tag um Tag mit einer Kanüle im Körper rumrennen und immer an "diese Pumpe da, mit dem Schlauch" gefesselt sein muss. Das ist Alltag und Gewohnheit, und wer jetzt sagt "Nee, also das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen", der lasse sich gesagt sein: Wenn dein Leben davon abhängig wäre, dann könntest auch du dich dran gewöhnen. Ganz einfach.
Viel eher sind es diese unsichtbaren Begleiterscheinungen, die der Diabetes so mit sich bringt. Diese Reihe soll sie nach und nach aufdecken, erklären und knallhart mit ihnen abrechnen.

"Ach, ich finde ja, mit Diabetes kann man heutzutage ganz gut leben. Und überhaupt, diese Pumpe da...damit musst du doch garnichts mehr machen. Die macht doch eh alles alleine." So oder so ähnlich hört sich das an, wenn Halbwissen auf das Bedürfnis trifft, irgendwas zu sagen, um sein Mitgefühl für einen Pumpi auszudrücken. Was lieb gemeint ist, kommt meist anders rüber.
Ja, es stimmt, verglichen mit der Zeit, in der es noch keine Insulintherapie gab, und sogar verglichen mit der Zeit, in der das Insulin noch mit furchterregend langen und dicken Spritzen unter die Haut gebracht wurde, haben wir Neuzeitdiabetiker mit unseren technischen Spirenzchen es gut. Sehr gut sogar! Auch "diese Pumpe da" erleichtert mir und vielen anderen das Leben und macht die punktgenaue Einstellung der Blutzuckerwerte einfach.

Moment...habe ich da gerade "einfach" geschrieben? Lasst mich das etwas präzisieren:

Ist alles eingestellt und -  noch wichtiger - sind alle Einstellungen in der Pumpe richtig (und der Pumpenträger mit dem System vertraut), dann erleichtert die Pumpe die Insulintherapie erheblich, ja.
Nur was ist, wenn die Einstellung nicht (mehr) passt? Der Stoffwechsel (und somit auch der Inuslinbedarf) ist ein komplexes System, das immer im Wandel ist und somit nie gleich oder absolut regelhaft. Für die Insulintherapie bedeutet das ein ständiges Beobachten, Ausprobieren und Anpassen. Eine Art dies zu tun ist der Basalratentest. Ja...ist genauso dröge wie es jetzt klingt. Echt!

Ich hatte ja schon einmal von der genau anpassbaren Basalrate geschrieben, bei der stündlich kleinste Mengen Insulin abgegeben und der BZ so reguliert wird. Tolle Sache, aber erst wenn die individuell  passende Basalrate ausgetüftelt ist. Und das geht so:
Es wird ein Zeitraum abgesteckt in dem die akutelle Basalrate auf ihre Funktionalität überprüft werden soll. 4-6 Stunden vorher (anhängig von Nahrung und Insulin) wird die letzte Mahlzeit eingenommen und zum letzten mal Essensinsulin abgegeben. Zum Beginn der geplanten Testphase wird der BZ gemessen. Liegt dieser im Zielbereich (90-150mg/dl ist der Zielbereich, den meine Praxis vorschlägt, andere Praxen, andere Werte!), kann der Test beginnen. Dann wird über einige Stunden nichts gemacht (kein Essen, kein Sport, keine andere Bewegung, kein Garnix!)  und stündlich der BZ gemessen. Bleiben die Werte kostant passt die Basalrate, wenn nicht, weiß man, dass nach oben oder unten nachreguliert werden muss.

So wie war das mit dem Schema-F? Ja richtig, nur weil es eins gibt, heißt das nicht, dass es auch klappt. Und so ist es (bei mir zumindest) hier leider meistens. Man bereitet sich super genau auf den Test vor, die Startbedingungen scheinen diesmal wirklich erfüllt zu werden. Und dann...Unterzucker, Überzucker, Kasalla und Trallafitti - und das (scheinbar) unbegründet. Klasse! Für jeden dieser  misslungenen Versuche haut man Zeit, Teststreifen (Geld!!) und gute Laune zum Fenster raus. Vielleicht hat man extra für den geplanten Basalratentest am Vorabend auf Sport verzichtet (das darf man nämlich auch nicht!) und ärgert sich jetzt riesig. Vielleicht hat man der besten Freundin für das gemeinsame Mittagessen beim Lieblingsasiaten abgesagt, um den Test zu machen, nur um dann festzustellen, dass der Test ins Wasser fällt, die beste Freundin aber längst was anderes vorhat. Vielleicht hat man zum Freund am Abend gesagt "Heute nur kuscheln!", weil man geplant hatte über Nacht einen Basaratentest zu machen, nur um dann um 0 Uhr, wenn der Freund schon schläft, festzustellen, dass der Startzucker zu hoch ist. Und das will nun wirklich keiner. Schade, Schokolade!

Also bitte, bevor ihr das nächste Mal (und sei es aus purer Nettigkeit, oder einfach nur weil ihr nicht wisst, was ihr sagen sollt, um eurem Mitgefühl Ausdruck zu verleihen) zu einem Satz wie "Ach, aber damit kann man doch heute gut leben..." ansetzt, denkt an diesen Artikel und fragt euch, ob das eurer Einschätzung nach "gut leben" ist. Manchmal ist schweigen eben doch noch gold! :)

Bald mehr zum Thema "Die unsichtbaren Leiden des Neuzeitdiabetikers".
Habt einen wunderbaren Tag!

A

Freitag, 10. Januar 2014

Wie fühlt sich das an? - Meine Hypo

 Die Idee zu dieser schönen Reihe kommt von I can eat everything und ich dachte mir, ich klinke mich mal ein. Hier geht es zum Originalpost.

So, wie fühlt sich also meine Hypo (Unterzuckerung) an?

Meine Hypo ist wie das schwarzweiße Rauschen des Fernsehers, wie eine Zeitrafferaufnahme, wie die vorbeiziehende Landschaft während einer Autofahrt. Alles ist zu schnell, zu hektisch und viel zu laut. Pure Überforderung. Musik klingt dumpf, meine Augen sehen alles, aber es scheint fast so, als wolle der Kopf das Gesehene nicht aufnehmen. Ich will einfach nur liegen. Und dann dieser Hunger. Lust auf süß, sauer, salzig und viel. Hauptsache viel. Ich beginne zu schwitzen. Kalter Schweiß auf der Stirn. Ich fühle mich wie nach einer Stunde Sport oder nach einem sehr langen Arbeitstag. Ausgelaugt irgendwie, und schwach.

Besonders oft scheinen mich Hypos dann zu ereilen, wenn es gerade ganz schlecht ist. In der Stadt, kurz vorm Einschlafen, dann wenn gerade echt Wichtigeres zu tun ist. Wenn es eins gibt, was meine Hypo gut kann, dann ist es schlechtes Timing.

A