Diabetes ist anstrengend. Nicht, weil ich mir mehrmals täglich in den Finger pieksen, Tag um Tag mit einer Kanüle im Körper rumrennen und immer an "diese Pumpe da, mit dem Schlauch" gefesselt sein muss. Das ist Alltag und Gewohnheit, und wer jetzt sagt "Nee, also das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen", der lasse sich gesagt sein: Wenn dein Leben davon abhängig wäre, dann könntest auch du dich dran gewöhnen. Ganz einfach.
Viel eher sind es diese unsichtbaren Begleiterscheinungen, die der Diabetes so mit sich bringt. Diese Reihe soll sie nach und nach aufdecken, erklären und knallhart mit ihnen abrechnen.
"Ach, ich finde ja, mit Diabetes kann man heutzutage ganz gut leben. Und überhaupt, diese Pumpe da...damit musst du doch garnichts mehr machen. Die macht doch eh alles alleine." So oder so ähnlich hört sich das an, wenn Halbwissen auf das Bedürfnis trifft, irgendwas zu sagen, um sein Mitgefühl für einen Pumpi auszudrücken. Was lieb gemeint ist, kommt meist anders rüber.
Ja, es stimmt, verglichen mit der Zeit, in der es noch keine Insulintherapie gab, und sogar verglichen mit der Zeit, in der das Insulin noch mit furchterregend langen und dicken Spritzen unter die Haut gebracht wurde, haben wir Neuzeitdiabetiker mit unseren technischen Spirenzchen es gut. Sehr gut sogar! Auch "diese Pumpe da" erleichtert mir und vielen anderen das Leben und macht die punktgenaue Einstellung der Blutzuckerwerte einfach.
Moment...habe ich da gerade "einfach" geschrieben? Lasst mich das etwas präzisieren:
Ist alles eingestellt und - noch wichtiger - sind alle Einstellungen in der Pumpe richtig (und der Pumpenträger mit dem System vertraut), dann erleichtert die Pumpe die Insulintherapie erheblich, ja.
Nur was ist, wenn die Einstellung nicht (mehr) passt? Der Stoffwechsel (und somit auch der Inuslinbedarf) ist ein komplexes System, das immer im Wandel ist und somit nie gleich oder absolut regelhaft. Für die Insulintherapie bedeutet das ein ständiges Beobachten, Ausprobieren und Anpassen. Eine Art dies zu tun ist der Basalratentest. Ja...ist genauso dröge wie es jetzt klingt. Echt!
Ich hatte ja schon einmal von der genau anpassbaren Basalrate geschrieben, bei der stündlich kleinste Mengen Insulin abgegeben und der BZ so reguliert wird. Tolle Sache, aber erst wenn die individuell passende Basalrate ausgetüftelt ist. Und das geht so:
Es wird ein Zeitraum abgesteckt in dem die akutelle Basalrate auf ihre Funktionalität überprüft werden soll. 4-6 Stunden vorher (anhängig von Nahrung und Insulin) wird die letzte Mahlzeit eingenommen und zum letzten mal Essensinsulin abgegeben. Zum Beginn der geplanten Testphase wird der BZ gemessen. Liegt dieser im Zielbereich (90-150mg/dl ist der Zielbereich, den meine Praxis vorschlägt, andere Praxen, andere Werte!), kann der Test beginnen. Dann wird über einige Stunden nichts gemacht (kein Essen, kein Sport, keine andere Bewegung, kein Garnix!) und stündlich der BZ gemessen. Bleiben die Werte kostant passt die Basalrate, wenn nicht, weiß man, dass nach oben oder unten nachreguliert werden muss.
So wie war das mit dem Schema-F? Ja richtig, nur weil es eins gibt, heißt das nicht, dass es auch klappt. Und so ist es (bei mir zumindest) hier leider meistens. Man bereitet sich super genau auf den Test vor, die Startbedingungen scheinen diesmal wirklich erfüllt zu werden. Und dann...Unterzucker, Überzucker, Kasalla und Trallafitti - und das (scheinbar) unbegründet. Klasse! Für jeden dieser misslungenen Versuche haut man Zeit, Teststreifen (Geld!!) und gute Laune zum Fenster raus. Vielleicht hat man extra für den geplanten Basalratentest am Vorabend auf Sport verzichtet (das darf man nämlich auch nicht!) und ärgert sich jetzt riesig. Vielleicht hat man der besten Freundin für das gemeinsame Mittagessen beim Lieblingsasiaten abgesagt, um den Test zu machen, nur um dann festzustellen, dass der Test ins Wasser fällt, die beste Freundin aber längst was anderes vorhat. Vielleicht hat man zum Freund am Abend gesagt "Heute nur kuscheln!", weil man geplant hatte über Nacht einen Basaratentest zu machen, nur um dann um 0 Uhr, wenn der Freund schon schläft, festzustellen, dass der Startzucker zu hoch ist. Und das will nun wirklich keiner. Schade, Schokolade!
Also bitte, bevor ihr das nächste Mal (und sei es aus purer Nettigkeit, oder einfach nur weil ihr nicht wisst, was ihr sagen sollt, um eurem Mitgefühl Ausdruck zu verleihen) zu einem Satz wie "Ach, aber damit kann man doch heute gut leben..." ansetzt, denkt an diesen Artikel und fragt euch, ob das eurer Einschätzung nach "gut leben" ist. Manchmal ist schweigen eben doch noch gold! :)
Bald mehr zum Thema "Die unsichtbaren Leiden des Neuzeitdiabetikers".
Habt einen wunderbaren Tag!
A
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Mittwoch, 15. Januar 2014
Dienstag, 14. Januar 2014
Dawn of the dead...pancreas
Dawn-Phänomen. Klingt super. Filmreif irgendwie und ein bisschen nach Bourne-Verschwörung.
Tja, Pustekuchen. Schön wär das!
Denn anders als der spektakulär klingende Name vielleicht vermuten lässt, handelt es sich nicht um ein neues filmisches Meisterwerk, sondern (wer hätte das gedacht) um eine der am schwierigsten in den Griff zu kriegenden Komplikationen in der Diabtestherapie und gerade meine Hauptbaustelle. Das Dawn-Phänomen ist also ein richtiger Scheißer!
Wie der Name schon sagt, spielt sich das ganze Übel in den frühen Morgenstunden ab. So weit so gut. Aber was passiert da denn nun jetzt? Das ist eigentlich schnell erklärt:
In den frühen Morgenstunden schüttet der Körper vermehrt Hormone aus. In der Kindheit/Jugend sind das größtenteils Wachstumshormone, deshalb ist das Dawn-Phänomen in diesem Zeitraum besonders weit verbreitet. Neben den Wachstumshormonen kommen da auch Kortisol, Glukagon und Adrenalin zum Einsatz, allesamt Gegenspieler des blutzuckersenkenden Insulins. Die Folge: ein mehr oder weniger (bei mir momentan eher mehr!) starker Anstieg des Blutzuckers in den frühen Morgenstunden und somit auch ein erhöhter Nüchternwert. Morgenstund hat Zucker im Blut oder so. Das ist kacke, macht keinen Spaß und der Tag ist dann meist schon morgens für die Tonne.
Was also tun?
Prinzipiell ja 'ne klare Sache. Mehr Insulin. Immer mehr, bis es wieder passt. Oder bewegen, um dem Anstieg entgegenzuwirken. Okay, streichen wir das mit der Bewegung...das ist nachts um 4 dann doch nicht die beste Lösung. Zurück zum Insulin. Bei "Pennern" (Leute, die Insulin spritzen, meine Freunde, nicht der faulige "Straßenfeger"verkäufer am Eck) wird also entweder die Dosis Basalinsulin angepasst, oder kurz vor der betreffenden Zeit der Wecker gestellt, um dann eine kleine Menge Insulin zu spritzen (was ja prinzipiell fast genauso unschön ist wie die Sportsache), ooooder aber der Umstieg auf Pumpe in Erwägung gezogen. So war das auch bei mir, als ich 11 war. Genau so.
Warum?
Anders als beim Spritzen, kann mit der Pumpe eine stündlich variierende Kleinstmenge Insulin in den Körper abgegeben werden, die individuell an den Träger angepasst wird. Diese supergenaue Anpassung erlaubt es, im Fall eines auftretenden Dawn-Phänomens schnell und effektiv die Basalrate so zu regulieren, dass dem Blutzuckeranstieg entgegengewirkt wird.
Und wie geht das dann genau?
Dafür habe ich nur ein Wort: Basalratentest (Post zum Thema folgt!). Und das dann nachts. Auch ganz schön nervig! Na dann "Gute Nacht"...
So, jetzt denkt man sich ja, wenn man nach diesem Leitfaden vorgeht, müsste das Problem gebannt sein. Denkste. Dann hat man leider die Rechnung ohne die Diabetessau gemacht. Die ist nämlich ungefähr so drauf, wie eine prämenstruelle, unterzuckerte Frau mit Entscheidungsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen vom Feinsten. Und das gilt nicht nur für's Dawn-Phänomen. Das ist so ziemlich auf jedes Zipperlein der Mrs. D. anwendbar. Kaum meint man, die Lösung gefunden zu haben, überlegt es sich die Zicke wieder anders und entwickelt sich (meist negativ) in eine andere Richtung weiter.
Freunde, glaubt es mir (die süßen Leser wissen nur zu gut wovon ich rede, den anderen sag' ich es jetzt), nur weil es vermeintlich ein Schema-F zur Lösung eines Diabetesproblems gibt, heißt das noch lange nicht, dass es auch wirklich klappt. Da hilft leider auch kein gut gemeintes "Ach, das wird schon wieder...!" oder unwissendes (und sicher auch gut gemeintes) "Und wenn du einfach bisschen Traubenzucker isst...?". Also verzeiht uns einfach, wenn wir in solchen Zeiten, in denen wir nur rumprobieren, basteln, machen und tun (...und sich trotzdem nichts ändert...also meistens!) manchmal etwas angespannt und unleidlich sind und auf eure lieb gemeinten Ratschläge nicht immer ganz angemessen reagieren. Das ist keine böse Absicht, das ist einfach Erschöpfung, Frustration und Zickenkrieg!
A
Tja, Pustekuchen. Schön wär das!
Denn anders als der spektakulär klingende Name vielleicht vermuten lässt, handelt es sich nicht um ein neues filmisches Meisterwerk, sondern (wer hätte das gedacht) um eine der am schwierigsten in den Griff zu kriegenden Komplikationen in der Diabtestherapie und gerade meine Hauptbaustelle. Das Dawn-Phänomen ist also ein richtiger Scheißer!
Wie der Name schon sagt, spielt sich das ganze Übel in den frühen Morgenstunden ab. So weit so gut. Aber was passiert da denn nun jetzt? Das ist eigentlich schnell erklärt:
In den frühen Morgenstunden schüttet der Körper vermehrt Hormone aus. In der Kindheit/Jugend sind das größtenteils Wachstumshormone, deshalb ist das Dawn-Phänomen in diesem Zeitraum besonders weit verbreitet. Neben den Wachstumshormonen kommen da auch Kortisol, Glukagon und Adrenalin zum Einsatz, allesamt Gegenspieler des blutzuckersenkenden Insulins. Die Folge: ein mehr oder weniger (bei mir momentan eher mehr!) starker Anstieg des Blutzuckers in den frühen Morgenstunden und somit auch ein erhöhter Nüchternwert. Morgenstund hat Zucker im Blut oder so. Das ist kacke, macht keinen Spaß und der Tag ist dann meist schon morgens für die Tonne.
Was also tun?
Prinzipiell ja 'ne klare Sache. Mehr Insulin. Immer mehr, bis es wieder passt. Oder bewegen, um dem Anstieg entgegenzuwirken. Okay, streichen wir das mit der Bewegung...das ist nachts um 4 dann doch nicht die beste Lösung. Zurück zum Insulin. Bei "Pennern" (Leute, die Insulin spritzen, meine Freunde, nicht der faulige "Straßenfeger"verkäufer am Eck) wird also entweder die Dosis Basalinsulin angepasst, oder kurz vor der betreffenden Zeit der Wecker gestellt, um dann eine kleine Menge Insulin zu spritzen (was ja prinzipiell fast genauso unschön ist wie die Sportsache), ooooder aber der Umstieg auf Pumpe in Erwägung gezogen. So war das auch bei mir, als ich 11 war. Genau so.
Warum?
Anders als beim Spritzen, kann mit der Pumpe eine stündlich variierende Kleinstmenge Insulin in den Körper abgegeben werden, die individuell an den Träger angepasst wird. Diese supergenaue Anpassung erlaubt es, im Fall eines auftretenden Dawn-Phänomens schnell und effektiv die Basalrate so zu regulieren, dass dem Blutzuckeranstieg entgegengewirkt wird.
Und wie geht das dann genau?
Dafür habe ich nur ein Wort: Basalratentest (Post zum Thema folgt!). Und das dann nachts. Auch ganz schön nervig! Na dann "Gute Nacht"...
So, jetzt denkt man sich ja, wenn man nach diesem Leitfaden vorgeht, müsste das Problem gebannt sein. Denkste. Dann hat man leider die Rechnung ohne die Diabetessau gemacht. Die ist nämlich ungefähr so drauf, wie eine prämenstruelle, unterzuckerte Frau mit Entscheidungsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen vom Feinsten. Und das gilt nicht nur für's Dawn-Phänomen. Das ist so ziemlich auf jedes Zipperlein der Mrs. D. anwendbar. Kaum meint man, die Lösung gefunden zu haben, überlegt es sich die Zicke wieder anders und entwickelt sich (meist negativ) in eine andere Richtung weiter.
Freunde, glaubt es mir (die süßen Leser wissen nur zu gut wovon ich rede, den anderen sag' ich es jetzt), nur weil es vermeintlich ein Schema-F zur Lösung eines Diabetesproblems gibt, heißt das noch lange nicht, dass es auch wirklich klappt. Da hilft leider auch kein gut gemeintes "Ach, das wird schon wieder...!" oder unwissendes (und sicher auch gut gemeintes) "Und wenn du einfach bisschen Traubenzucker isst...?". Also verzeiht uns einfach, wenn wir in solchen Zeiten, in denen wir nur rumprobieren, basteln, machen und tun (...und sich trotzdem nichts ändert...also meistens!) manchmal etwas angespannt und unleidlich sind und auf eure lieb gemeinten Ratschläge nicht immer ganz angemessen reagieren. Das ist keine böse Absicht, das ist einfach Erschöpfung, Frustration und Zickenkrieg!
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