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Mittwoch, 9. April 2014

Hakuna Matata

 Hallo ihr Zuckerschnuten, da bin ich wieder...

...nach viel zu langer Blogabstinenz will ich euch jetzt endlich mal erzählen, was ich die letzten Wochen so getrieben habe. Vorneweg: Sowohl zuckertechnisch, als auch sonst so, war meine Zeit in Südafrika ein voller Erfolg. Ich habe unheimlich viel gesehen, erlebt und gelernt, Herausforderungen angenommen und gemeistert, und mir ist einmal mehr bewusst geworden, dass man auch mit der Diabetessau am A***h alles schaffen kann, wenn man sich nur traut.

1. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen ODER Was hast du da eigentlich gemacht?

Nach Südafrika geflogen bin ich eigentlich nur, weil die Uni sagt, dass ich das mal machen soll. Dass es, obwohl Pflicht und mit Arbeit verbunden, so 'ne gute Zeit wird hätte ich trotzdem nie gedacht. Die Arbeit mit den Kids und Tieren (ja ich weiß, klingt unfassbar klischeehaft...) stellte sich zwar als sehr anstrengend, aber auch als unfassbar bereichernd heraus und fehlt mir jetzt schon. DAKTARI Bush School & Wildlife Orphanage ist eine gemeinnützige Organisation, die schon seit über 8 Jahren Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern die Chance gibt, in nur 5 Tagen all das über ihre Umwelt und ihr (zugegebenermßen wunderschönes aber verbesserungswürdiges) Heimatland zu lernen, was ihnen in der Schule vorenthalten oder nicht ausreichend beigebracht wird. Nebenbei funktioniert Daktari auch als Tierauffangstation, die sich um verwundete oder verstoßene Tiere kümmert und sie nach Möglichkeit auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Als Freiwillige war ich für beides gleichermaßen verantwortlich - unterrichten und Tierpflege. Für mich die perfekte Kombination.


Der Tagesablauf unter der Woche war immer relativ ähnlich. Montags morgens kamen die Kids und noch vor den Frühstück wurden eine Stunde lang die Gehege gereinigt. Jeden Tag früh raus. Jeden Tag noch vor dem Frühstück dreckig sein. Super! Nach dem Frühstück ging dann der Unterricht los (Umweltschutz, Wilderei und ihre Folgen, Tourismusbranche als größter Chancengeber in SA, Tierkunde, life skills, Soziale Themen undsoweiterundsofort). So schüchtern und zurückhaltend die Kids montagsmorgens auch waren, spätestestens bei der Poolsession nach dem Mittagessen, tauten alle auf und es war ein Riesenspaß, in all die lachenden, singenden, glücklichen Gesichter zu schauen. Von Tag zu Tag wurden die Kids aufgeweckter und selbstsicherer, und es war offensichtlich,wie gut ihnen die ungewohnte Aufmerksamkeit tat (In den Schulen, die die Kids sonst besuchen, besteht eine Klasse aus mindestens 50 Schülern. Wer lernen will und motiviert ist, sitzt vorne und lernt, der Rest sitzt einfach nur rum, lärmt, stört und verbaut sich so die ohnehin schon eingeschränkte Zukunft). Jeden Freitag, wenn die Kids wieder in ihren Alltag zurückkehrten, hatte ich das Gefühl, zumindest für einige wenige etwas verändert zu haben, ihnen etwas gegeben zu haben, was ihr Leben möglicherweise von Grund auf verändert hat. Ein wirklich schönes Gefühl!


2) T.I.A. - This is Africa

Nicht weniger ereignisreich als unter der Woche ging es am Wochenende zu: Holprige Fahrten im Pick-up durch den Busch, Elefanten hautnah, Zelten im Nationalpark, Gepardenstreicheln und Nashorngucken. Den Giraffen Hallo gesagt und 24h im Leben einer afrikanischen Frau verbracht. Zebrarettungsaktionen, eine Party mitten im Busch und ruhige Momente am Pool. Auf dem Dach eines 4x4 Truck übernachtet. Löwen gehört (und natürlich auch gesehen) und wie ein Vogelstrauss getanzt. Im Canyon "gewandert" und durch den tiefen Busch geschlagen. Pancakes, Sonntagsfrühstück (nomnomnom) und Erdnussbutter. Undsoweiterundsofort.











 3. Und der Zucker so?

Anders als gedacht, hatter sich echt benommen der Schlawiner. Im Vorhinein hatte ich ja so gut wie jedes Szenario durchgedacht. Keto. Hypo mit Fremdhilfe. Hypo mit Hypokit. Schlauch gerissen. Insulin zu warm. Insulin vergessen. Pumpe und Zweitpumpe kaputt. Krankenhausaufenthalt. Alles. Aufgeregt war ich trotzdem noch tierisch...zum Glück aber umsonst, wie sich schnell herausstellte. Es dauerte ca eine Woche bis ich per temporäre Basalrate rausgefunden hatte, dass ich - anders als ursprünglich angenommen - garnicht weniger Basalinsulin benötige. Und so lief ich dann bei voller Basalrate und vollen BEF auch richtig gut. Nur am Wochenende, wenn wir zu Wanderungen oder Bushwalks aufgebrochen sind, oder andere aufregende Sachen gemacht haben, habe ich mal bisschen runtergeschaltet (oder wenn der seltene Fall eintrat, dass ich mal Sport gemacht habe). Das war dann aber immer nur temporär und hat ziemlich gut hingehauen. Mein Durchschnittswert in den 6 Wochen pendelte immer so um die 150, womit ich sehr zufrieden war. Das war nämlich im Vorhinein auch so mit der Diabetesberaterin abgesprochen. Hypos hatte ich nur so 3-4 in der ganzen Zeit (wenn ich das nur mal Zuhause schaffen würde :D). Das einzig wirklich miese waren meine Nüchternwerte, die sich meist so zwischen 150 und 250 bewegten...war mir aber trotzdem noch lieber als nächtliche Hypos oder so. Alles in allem bin ich aber rückblickend richtig zufrieden. Meine Frio-Kühltasche hat sich als richtiger Glücksgriff erwiesen, vor Ort hatte ich ausgiebig Kühlmöglichkeiten und auch unterwegs (besonders vor dem Campingtrip in den Kruger Nationalpark hatte ich etwas Bedenken - unser Guide hatte ne spitzen Kühlbox) bot sich immer eine Möglichkeit, Insulin und Hypokits zu kühlen. Alles kein Problem. No Stress. Hakuna Matata :)

Ich bin einfach nur glücklich eine so tolle Erfahrung gemacht zu haben und nehme aus meinen 6 Wochen Afrika unheimlich viel mit. Persönlich. Beruflich. Für meine Zukunft. Ich habe so viel gelernt wie selten zuvor innerhalb so kurzer Zeit und bin so froh, mich für diese (anfangs nicht ganz leichte) Möglichkeit entschieden habe, meinen Auslandsaufenthalt zu verbringen. Wie sagt man so schön...der Weg des geringsten Widerstandes ist nicht immer automatisch der richtige...oder so. Ich danke dir, Dasha, für deine Freundschaft, für den Spaß, für die blöden Sprüche, die tollen Treffen davor und die tolle Zeit währenddessen und dafür, dass wir jetzt all diese wunderbaren Erinnerungen teilen. Außerdem danke ich dir für die kleine, aber (superduper)feine Zuckerunterstützung. Ich würde jederzeit wieder mit dir verreisen! :)
 
xxx
Anne



Donnerstag, 6. Februar 2014

Der sechste Sinn, oder: Chronische Aufpasseritis

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin. Mädchenkram. Irgendwie kamen wir auf das Thema Eisprung zu sprechen und darauf, dass ich - anders als sie und die meisten anderen - immer ziemlich genau weiß, wann das bei mir ist. Generell habe ich das Gefühl, dass ich sehr genau auf die Signale achte, die mein Körper mir sendet. Aber woran liegt das, dass ich mir dessen, was in mir drin passiert, scheinbar mehr bewusst bin, als andere? Für mich liegt die Antwort auf der Hand: Ich habe Diabetes. Diabetes, und mit ihm chronische Aufpasseritis.

Die Natur hat das schon ganz gut eingerichtet. Es ziept, es schmerzt, irgendwo kribbelt was. Mal flackert es vor den Augen, mal hat man weiche Knie. All das kommt ja nicht von ungefähr. Der Körper will uns damit etwas sagen. Es ist seine Art der Kommunikation. Und wenn mir mein Körper etwas sagt, dann höre ich ihm zu. Dieses Bewusstsein über den eigenen Körper und über seine Reaktion auf verschiedene Situationen hat mir schon öfter den Allerwertesten gerettet. Ich merke meine Unterzuckerungen früh und sogar wenn ein Schnupfen auch nur ansatzweise im Anflug ist, weiß ich sofort was los ist. Viele meiner Freunde finden das bewunderswert und verstehen nicht, wie das geht. "Krass, wie du sowas immer merkst..."! Ja...krass, ne?!
Nein, eigentlich garnicht. Ich glaube, dieses Bewusstsein entwickelt sich von ganz alleine, weil es sich entwickeln muss. Anfänglich nur auf Aspekte der Diabetestherapie beschränkt (Wahrnehmung von Unter-/Überzuckerungen), breitet sich diese Gabe (ist es wirklich eine Gabe??) auf immer mehr Lebensbereiche aus.

Was aber so praktisch scheint, kann auf die Dauer auch ganz schön anstrengend werden. Ich ertappe mich in letzter Zeit immer öfter dabei, wie ich leicht hypochondrische Anwandlungen bekomme, vor allem dann, wenn es um die Früherkennung erster diabetischer Spätfolgen geht (toi toi toi - bisher alles gut!). Schläft mir ein Fuß ein schrecke ich sofort auf und denke mir "Oh nein...jetzt geht es los!". Wenn jemand anders ein Fuß einschläft, denkt der sich wahrscheinlich höchstens "Scheiße!" und lacht über das scherzhafte "Na dann weck ihn wieder auf" des Partners. Wenn es nachts ein paar Minuten dauert, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen und es deshalb ein wenig flackert, mache ich mir direkt Sorgen um mein Augenlicht. Das ganze geht sogar so weit, dass ich eine Unterzuckerwahrnehmnungsschulung besuchen musste, weil ich in diverse Empfindungen eine Hypo reininterpretiert habe, obwohl eigentlich alles im grünen Bereich war.

Ich bin mir zwar aufgrund des Diabetes meiner inneren Stimme bewusster, als viele andere in meinem Alter,  aber ich bin auch ängstlicher und vorsichtiger, wenn es um meine Gesundheit geht. Trotzdem bin ich irgendwie froh, dass ich mich selbst so gut verstehe. Mir gibt das die Sicherheit, die ich brauche um tagtäglich das zu tun wozu ich Lust habe. Angst vor Unterzucker habe ich nicht, weil ich weiß, dass ich mich auf mein Gefühl verlassen kann. Und wenn mir mein Körper ein Signal sendet, mit dem ich nichts anfangen kann, dann gehe ich mittlerweile lieber einmal mehr zum Arzt. Das mag so Manchem total übertrieben erscheinen, aber wenn ich mich in meinem Körper zu 100% wohlfühlen will, dann muss ich auf das hören, was er mir sagt und sicherstellen, dass alles in Ordnung ist. My body is my castle und so.

Wie ist das bei euch? Kennt ihr das auch? Schreibt mir...

Sonntag, 2. Februar 2014

Honigsuesser Sonntag

Schon wieder Sonntag. Schon wieder Rückblick. Och nöööö, bei den Werten macht das Rückblicken echt nicht so viel Spaß. Das einzig Gute daran: Meine Diabetesfee versteht mich!

Berg- und Talfahrt: 65 mg/dl (wuhu, immerhin kein einziger Wert unter 60 diese Woche!) bis 328 mg/dl (Puuuh...was da los war weiß ich jetzt so aus dem Stegreif leider nicht mehr. Aber scheiße war's, das weiß ich noch.)

Mittelwert: 149 mg/dl (na immerhin bisschen besser als letzte Woche)

Standardabweichung: +/- 65 mg/dl (und auch hier bin ich wieder im einigermaßen grünen Bereich...sagt die App.)

Was war das beste Essen diese Woche?
Mmmmh, ich glaube das beste und gleichzeitig auch das am schwierigsten zu berechnende Essen war die riesige Pizza in den Zwölf Aposteln in Berlin. Abgegeben hatte ich für 14 BE (ja die sind echt so riesig!!)...hat dann nur so halb hingehauen, aber das war's mir echt wert.

Was war sonst so?
Berlin und zurück an einem Tag. 2 von 4 Klausuren sind schon geschafft, hätte wohl doch nicht lernen brauchen. Son Quark. Viel am Schreibtisch gesessen und sogar relativ viel geschafft. Die größte Pizza der Welt vertilgt...und zwar ganz und alleine. Ich oute mich: Dschungelcamp geguckt und für Melli mitgefreut. Bei der Diabetesfee gewesen. Festgestellt, dass einfach komplett die Sturktur fehlt. Basalratentests. Gemeinsam mit der Diabetesfee beschlossen, nach der Rückkehr aus Afrika an die Beantragung eines CGM ranzugehen (mal gucken...ich werde berichten). Raum für Pumpitreffen in Bochum ergattert, nach Afrika geht's mit der Planung los. Noch 1,5 Wochen bis zum Abflug. Puh.

Freitag, 31. Januar 2014

Die unsichtbaren Leiden des Neuzeitdiabetikers - Heute: "Dein Tamagotchi hat Hunger!"

Hallo Freunde!

Dass ich eine Insulinpumpe trage ist offensichtlich und für mich eigentlich kein großes Problem. Das viel größere Handicap, als die ständige Präsenz und Handhabung der Pumpe, ist für mich der Umgang mit unqualifizierten (vielleicht auch wirklich lustig gemeinten) Kommentaren zu diesem Thema. Seit ich Pumpenträger bin (immerhin schon stolze 11 Jahre), sehe ich mich immer wieder in Situationen, in denen ich am liebsten einmal weit ausholen und zuhauen würde. Man möchte es vielleicht nicht glauben, aber ja, Sprüche a la "Hey, dein Tamagotchi hat Hunger!" nerven. Was anfangs noch lustig ist und ein scheinbares Tabuthema unter flüchtigen Bekannten auflockert, wird ganz schnell anstrengend. Und zwar richtig!

Ich gebe es ja zu: Wer austeilt, muss auch einstecken können, und im Austeilen bin ich Weltmeister! Ich habe mich schon oft gefragt, ob ich vielleicht einfach zu sensibel auf spitze Kommentare über meinen kleinen Alltagsbegleiter reagiere. Aber, nein, eigentlich sehe ich es nicht ein, mir regelmäßig Sprüche drücken lassen zu müssen wegen etwas, wozu ich garnichts kann. Ich habe mir schließlich weder den Diabetes, noch die Pumpe ausgesucht (auch wenn ich den kleinen Helfer im Nachhinein niemals wieder abgeben würde).

Trotzdem musste ich mir schon zu Beginn meiner Pumpikarriere immer wieder blöde Sprüche anhören. Besonders beliebt war damals "Ey, im Unterricht kein Handy!". Obwohl ja alle wussten, worum es sich eigentlich handelt, schreckten auch Lehrer nicht vor diesem scheinbar lustigen Kommentar zurück. Ist jetzt nicht zum heulen schlimm und beim ersten Mal vielleicht auch noch ganz lustig. Aber bei einem Mal bleibt es ja eh meistens nicht. Nervt.

Neben den harmlosen, meist aus Unsicherheit entstehenden Kommentaren dieser Art, erinnere ich mich noch gut an ein Erlebnis, das mich zu dem Zeitpunkt ziemlich aus der Bahn geworfen und lange beschäftigt hat. Ich glaube es war ca. in der 8.Klasse, als ich mitbekam, dass eine Mitschülerin über mich und meinen süßen Kumpel herzog. "Ach, die Anne gibt ja mit ihrem komischen Zucker nur an. Das ist halt das Einzige, was an der interessant ist." Mh. Da musste ich erstmal schlucken. War das wirklich so? Denken das alle über mich, oder entstammt dieser Mist wieder mal dem mehr oder minder bemittelten Hirn einer Einzelperson, die nichts besseres mit sich anzufangen weiß, als (entschuldigt den Ausdruck) gequirlte Scheiße über andere Menschen zu erzählen? Jetzt - mit Anfang 20 - entscheide ich mich für Letzteres.
Es mag am Alter gelegen haben, aber mit 13 war ich davon extrem getroffen und auch wenn ich heute daran zurückdenke, bildet sich ein dicker Kloß in meinem Hals. Ich kämpfe so hart. Wir alle tun das. Jeden Tag aufs neue geben wir unser Bestes, um die unausweichlichen, angsteinflößenden Folgen dieser Scheißkrankheit hinauszuzögern oder doch irgendwie zu vermeiden. Wir sind eingespannt. 24/7 erledigen wir einen Job, der eben gemacht werden muss, auch wenn es noch so wenig in den Kram passt. Um ein normales Leben zu führen müssen wir total unnormale Dinge tun. Pieksen. Stechen. Rechnen. Verzichten. Jeden. Einzelnen. Tag. Wie in Gottes Namen kann man mit sowas angeben?? Aber wie sagt der Pfälzer so schön...Dumm gebabbelt is' glei.

Heute werfen mich solche Sprüche nicht mehr so aus der Bahn. Ich weiß was ich kann und ich weiß, wie bewunderswert das ist, was wir Diabetiker jeden Tag leisten. Ich bin schon irgendwie stolz auf mich. Was mich heute in solchen Situationen rettet, ist das Wissen, dass keine dieser Lästerbacken diesen Job auch nur ansatzweise so gut machen würde, wie ich das schaffe. Ich muss mich nicht runtermachen oder von blöden Sprüchen nerven lassen. Auf ein "Dein Tamagotchi hat Hunger!" antworte ich "Hier, ich leih es dir gerne mal, dann kannst du es mal ein paar Tage pflegen und besser machen". Vergleicht mich einer der Pumpe wegen mit einem Roboter, rede ich mit Demjenigen in Robotersprache. Wenn es sein muss stundenlang. Nervt dann auch. Ihr habt es ja nicht anders gewollt.

Menschen sind nun mal, wie sie sind. Ich habe mich damit abgefunden, dass die meisten Leute versuchen, Unsicherheit durch "Humor" wettzumachen und zu allem ihren Senf dazugeben müssen. Ich habe aufgehört, mich für meine Krankheit, meine Insulinpumpe und meine BE-Zählerei zu rechtfertigen, oder mich ständig zu erklären. Klar, es ist mir - wie wahrscheinlich allen Diabetikern - lieber, wenn sich jemand ernsthaft für das interessiert, was ich da mache, oder auch mal ein paar Worte der Wertschätzung findet, aber das passiert leider wirklich selten (und wenn es doch mal passiert - Danke Mama, danke Matze! - dann macht mich das noch viel stolzer). Also werde ich weiter über Sprüche hinweghören und mir innerlich sagen "Reg dich nicht auf, die wissen's nicht besser." Lächeln. Nicken. "Arschloch" denken.

Kennt ihr das? Habt ihr auch solche Sprüche, die euch auf die Palme bringen? Was waren eure einschneidendsten Diabetes-Lästerattacken? Teilt sie mit mir! :)

Allen Mitsüßen und Nichtsüßen einen schönen Abend und einen guten Start ins Wochenende!
A





Dienstag, 21. Januar 2014

Die unsichtbaren Leiden des Neuzeitdiabetikers - heute: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Wie bereits kurz angerissen, ist die Annahme ja weit verbreitet, dass Diabetes heutzutage "echt nicht so schlimm", "keine große Sache mehr" und "total gut zu handeln" sei (zum betreffenden Beitrag geht es hier). Und in gewisser Weise, stimme ich diesen Aussagen, wie ebenfalls schon erwähnt, zu. Ich bin froh, in einer Zeit zu leben, in der ich mich wegen meiner Krankheit nicht mehr kasteien und nach strengen Regeln essen muss. Ich bin froh, dass ich flexibel bin und spontan sein kann. Und vor allem bin ich froh, über die vielen individuellen Behandlungsmöglichkeiten. Wirklich! Aber genau hier eröffnen sich auch wieder massig Probleme: Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Früher - und damit meine ich wirklich wirklich früher - war die Diabetestherapie relativ simpel. Simpel, aber nicht angenehm. Strikte Essenszeiten und die Beschränkung auf wenige, blutzuckerunwirksame Nahrungsmittel bestimmten das Leben der Betroffenen (ja, auch ich mag dieses Wort nicht wirklich und verweise an dieser Stelle auf einen gelungenen Artikel von mein-diabetes-blog.com). Das ist heute besser. Auch nach der Einführung der Insulintherapie erwies sich die Behandlung als vergleichsweise einfach (im Vergleich zu dem Tamtam, das heute so veranstaltet wird). Insulin rein, gut is.

Heute gestaltet sich die Therapie des kleinen Zuckerscheißers wesentlich angenehmer, aber dafür weniger simpel. Frei nach dem Motto: "Mehr Rechte, mehr Pflichten". Die Diabetesgesellschaft von heute ist eine weitestgehend Aufgeklärte. Jeder weiß über die Vorgänge (oder eben Nichtvorgänge) im eigenen Organismus zumindest rudimentär Bescheid und versteht seine Krankheit in ihren Grundzügen. Ein großer Vorteil mit einem langen Rattenschwanz. Denn Aufgeklärtheit fordert Denken. Das wusste schon Kant.

Und so reicht es heute schon lange nicht mehr, die reine Menge an zugeführter, blutzuckerwirksamer Nahrung in BE (oder doch lieber KE??...seht ihr, da geht's schon los...ich oute mich, ich rechne mal mit 10g und mal mit 12g...wie es am besten passt! Klappt trotzdem!) umzurechnen, um daraus die benötigte Insulinmenge zu bestimmen. Nein! Auch die Zusammensetzung der Kohlenhydrate spielt heute eine Rolle
(Genaueres zum Thema KH-Zusammensetzung findet ihr im Glossar). Je nach Zusammensetzung wird die Insulinmenge dann gesplittet abgegeben oder komplett über mehrere Stunden verzögert (das alles geht mit der Pumpe relativ problemlos), da Nahrung, die aus langkettigen KH besteht ja länger braucht, bis sie im Blut ist, als kurzkettige KH. Es werden aber längst nicht mehr nur Kohlenhydrate berechnet...

Schonmal was von FPE gehört? Nein? Macht nix...bei mir klappt es auch so ganz gut! Die FPE (Fett-Protein-Einheiten) bieten eine Möglichkeit, neben den KH auch die aufgenommenen Fette und Eiweiße mit Insulin abzudecken, denn man hat herausgefunden, dass auch diese den Blutzucker beeinflussen können. Diese Berechnung ist allerdings ziemlich kompliziert und (anders als die Berechnung von BE/KE, an die man sich relativ schnell gewöhnt)  alles andere als alltagstauglich. Die einzige Gelegenheit, bei der ich Fette und Eiweiße berechne, sind Grillorgien im Sommer. Aber auch hier werden einfach Pi-mal-Daumen ein paar Einheiten mehr abgegeben, ohne das jetzt groß zu berechnen. Wäre ja noch doller, da vergeht einem ja der Spaß am Essen! Außerdem gilt es bei großen Eiweiß- oder Fettmengen, wie auch bei den langen Kohlenhydraten, auf eine verzögerte Abgabe des Insulins zu achten. Und weil das so viel Spaß macht, gibt es dafür mal wieder keine Regel, sondern man muss es...genau...ausprobieren.

Nicht nur gibt es heute scheinbar tausend Wege die Nahrung in berechenbare Einheiten niederzubrechen, oder Insulin abzugeben, es gibt auch mindestens genauso viele Insuline, Messgeräte und Teststreifensorten. Man entscheidet sich dafür einen bestimmten Kathether zu benutzen oder eben nicht zu benutzen. Man wählt zwischen Pumpe oder Pen (oder "wird gewählt"...oder möchte gerne wählen, darf aber nicht). Und jede dieser (noch so kleinen) Entscheidungen kann letztendlich den Ausschlag geben zwischen Erfolg und Misserfolg. Zwischen Gesundheit und Krankheit.

Ohje...und jetzt wo ich das hier so schreibe, frage ich mich, wie ich als relativ verplanter Mensch das immer wieder hinkriege. Obwohl ich mit diesem ganzen Schlamassel großgeworden bin, scheint es mir manchmal undurchdringlich. Es gibt so viele Stellschrauben, an denen man drehen kann, um den Blutzucker zu beeinflussen und es gibt so viele Faktoren, die berücksichtigt werden müssen, wenn es darum geht herauszufinden, warum etwas nicht so läuft, wie es soll.

Als wäre das Leben nicht schon kompliziert genug...

A

Donnerstag, 9. Januar 2014

Aller Anfang ist schwer...

...isso. Das ist so ziemlich das Einzige, an das ich mich aus der Zeit nach der Diabetesdiagnose im März 2000 noch erinnern kann. Ja, das sind wirklich schon fast 14 Jahre...

Ich war damals zarte 8, fröhlich, agil, total verfressen...und hatte eine tierische Angst vor Spritzen. Gute Bedingungen für ein Diabeteskind. Während die Zeit direkt nach der Diagnose der pure Horror war (für meine Eltern wahrscheinlich mehr, als für mich), verlief dann während und nach der Remission alles glatt. Rückblickend ging das echt alles ganz gut. Pumpe mit 11, super Sache. Erst so mit der Pubertät wurde es kritisch, aber das kennt man ja. Aber auch das haben mein süßer Kumpel und ich irgendwie gemeistert.

Jetzt, mit 22, stehe ich mitten im Studium und erwische mich immer öfter dabei, wie ich mir Gedanken um die Zukunft und besonders über Folgeschäden mache...prinzipiell ja nicht schlecht, aber irgendwie auch bedrückend, finde ich. Der Krankheitscharakter meines Wegbegleiters wird mir erst jetzt so richtig bewusst. Meine Werte sind nicht schlecht, guter Durchschnitt würde ich sagen, ich bin fit, viel unterwegs und bisher (bis auf die kaputten Inselzellen natürlich) kerngesund. Trotzdem frage ich mich manchmal, was in 20 Jahren ist.

Ich möchte diesen Blog nutzen, um mir solche Gedanken, sowie den ab und an aufkeimenden Diabetesfrust von der Seele zu schreiben und um mit anderen Süßen, oder deren Angehörigen ins Gespräch zu kommen, denn erst durch die relativ große und vor allem junge Diabetes Onlinecommunity ist mir bewusst geworden, wie gut das wirklich tut. Ich hoffe, ein Teil dieser wirklich großen und tollen Truppe werden zu können, um den kleinen Diabetesscheißer noch besser in den Alltag zu integrieren.

A